Die geheimnisvollen Besucher
Es war nur eine Frage der Zeit
, bis jemand jenseits des Bildschirms das Wort ergriff.
Doch dies ist weder ein Virus noch ein Rätsel –
es ist eine Stimme, die nach einem Zuhause sucht.
Als Anne einige Tage später den Computer wieder eingeschaltet vorfand, wurde sie nicht einmal wütend. Sie hatte schlicht keine Zeit dazu – auf dem Bildschirm blinkte bereits in fetten Buchstaben die Nachricht: „Berühre die Tastatur nicht!“
Zuerst erschrak sie nicht einmal richtig, obwohl ihr das Herz wild zu schlagen begann. „Goliath – das muss Goliath der Unbesiegbare sein!“ schoss es ihr durch den Kopf. Für einen Moment durchlebte sie noch einmal die ganze angespannte Schachpartie, die sie gegen Goliath den Unbesiegbaren remis gehalten hatte – den mächtigsten Computer im Gespensterwald. Nun ja, nicht ganz ohne Hilfe, aber trotzdem – sie hatte es geschafft. Was für eine unglaubliche Überraschung! Endlich! Endlich Neuigkeiten aus dem Wald!
„Goliath, bist du das?“, fragte sie vorsichtig und machte vorsichtshalber ein paar Schritte zurück. „Falls du glaubst, du kannst mir Angst machen, vergiss es. Du weißt doch, dass das bei mir nicht funktioniert, oder?“
Der Computer zeigte sich von ihrer coolen Ansprache völlig unbeeindruckt. Der Bildschirm wurde kurz dunkel und buchstabierte dann langsam eine neue Nachricht:
„Ich weiß nicht, wer Goliath ist. Ich bin Dan, Ingenieur vierter Klasse.“
„Anne, kommst du jetzt, oder soll ich ohne dich anfangen?“, ertönte Mamas ungeduldige Stimme aus der Küche. „Mach den Computer aus – du hast heute schon genug gespielt.“
„Warte – Dan, oder wer auch immer du bist“, flüsterte Anne aufgeregt und schaltete den Computer aus. „Wir reden später weiter. In Ruhe.“
Aber die Dinge erwiesen sich als weit weniger einfach. Als sie etwa eine halbe Stunde später voller Erwartung zurückkam, schwieg der Computer, ganz gleich, was sie versuchte. Das machte sie rasend, aber alles Bitten – freundlich oder weniger freundlich – blieb unbeantwortet. Nichts half. Und als sie schließlich ins Bett ging, ohne mehr erfahren zu haben, glänzten wütende Tränen in ihren Augen – bitter und brennend, von jener Art, die nur echter Zorn hervorbringen kann.
Gedanken zur Szene
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Manchmal tragen die kleinsten Wesen die größte Bedeutung. In dieser charmanten und zugleich leise unheimlichen Szene entdecken wir, dass Anne unwissentlich Ameisen aus Ameisolini in die wirkliche Welt mitgebracht hat. Es ist ein Moment, der die eigenartige Mischung aus Realismus und Fantasie im Buch perfekt einfängt: Die Wesen sind nicht magisch, aber sie bedienen ihren Computer mit verblüffender Präzision, unter dem Kommando des still brillanten Ingenieurs Dan. Die Vorstellung, dass eine Schar Ameisen die Tastatur besetzt hat, um über den Computer zu kommunizieren, ist zugleich komisch und beunruhigend. Welches Kind hat sich nicht schon vorgestellt, dass seine Maschine ein geheimes Eigenleben führt?
Die Rückkehr von Rucksäckchen – Annes geliebtem Rucksack – ist ebenso herzerwärmend. Ihr Wiedersehen, vermittelt durch die neue Kommunikationsmethode der Ameisen, ist mit perfekter Leichtigkeit erzählt. Es markiert das Wiedererwachen der magischen Verbindung zum Gespensterwald, zeigt aber auch, wie zerbrechlich und unvollständig diese Verbindung geworden ist. Die geschwärzte Glaskugel, einst ein Portal, liegt nun reglos da – ihr Schweigen ein Zeichen dafür, wie fern der Wald geworden ist. Und doch weigert sich die Szene, in Verzweiflung zu versinken: Sie deutet einen neuen Weg an, eine Lösung, vielleicht sogar eine Neuerfindung.
Diese erste Szene handelt ganz von stillen Anfängen – Signalen im Rauschen, Flüstern aus einer Welt, die unerreichbar schien. Der letzte Band der Trilogie beginnt nicht mit einem Knall, sondern mit einem winzigen Schritt zwischen den Dimensionen: einer einzelnen Ameise, die über eine Tastatur krabbelt.